CBD und die Schweiz – Eine ganz besondere Beziehung
Die Schweiz ist seit jeher ein Vorbild, was Freiheit, Offenheit und Fortschrittlichkeit angeht. Da verwundert es wenig, dass die Schweizer auch in Sachen Cannabis vergleichsweise offen sind. Das gilt insbesondere in Bezug auf CBD-Produkte, denn bei unseren Nachbarn hat Cannabidiol auch in der Öffentlichkeit eine weitaus höhere Präsenz und Akzeptanz als hierzulande.

Für deutsche Augen ungewohnt ist dabei vor allem, dass in Graz, Zürich und Bern seit einiger Zeit etliche Coffee-Shops aus dem Boden sprießen und sogar ganz offiziell Werbung für Hanf gemacht wird. Vor knapp 20 Jahren war das noch undenkbar. Wie kam es dazu? Wie steht es heute um CBD in der Schweiz? Und wo liegen die Unterschiede zu Deutschland?

Ein langer Weg zur Akzeptanz von CBD

Die Schweizer haben schon mehrfach versucht, Cannabis zu legalisieren. Schon im Jahr 1997 erteilten die Schweizer der allgemeinen Legalisierung mit großer Mehrheit eine Absage an der Wahlurne. Auch in den Jahren 2004 und 2008 scheiterte der Legalisierungsversuch. In beiden Fällen stimmte der Nationalrat dagegen. Dennoch stieg in den letzten 20 Jahren die Zahl der Schweizer, die mit konventionellem Cannabis aber auch Cannabidiol in Kontakt kamen. Letzteres vor allem aufgrund der bereits damals bekannten positiven gesundheitlichen Möglichkeiten.

Auch wenn die Schweizer bereits damals CBD-haltige Produkte problemlos legal kaufen konnten, war das Jahr 2011 ein Meilenstein für CBD-Konsumenten. In diesem Jahr nämlich hoben die verantwortlichen Stellen die zulässige THC-Obergrenze von 0,3 auf 1 Prozent an. Parallel gelang Wissenschaftlern die Züchtung von Cannabis-Sorten mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent. Diese Kombination war der Türöffner für eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.

Cannabidiol als bedeutender Wirtschaftsfaktor

Kurz darauf schloss sich die grundsätzliche Freigabe von CBD-Produkten im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte an. Was folgte, war eine marktwirtschaftliche Lawine. Innerhalb weniger Wochen explodierte die Nachfrage, die Anzahl der Konsumenten stieg rasant und auch Firmen, die mit Cannabidiol ihr Geld verdienen, schossen wie Pilze aus dem Boden. In der Schweiz sind derzeit rund 150 Unternehmen aktiv und erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 70 Millionen Franken pro Jahr.

Bei unseren Nachbarn profitieren aber nicht nur neugierige Konsumenten oder Patienten, die mit CBD ihre Leiden lindern möchten. Auch der Staat ist ganz groß im CBD-Geschäft aktiv. Immerhin bekommt der Schweizer Bund durch die Tabaksteuer (25 Prozent) und die Mehrwertsteuer (8 Prozent) ganze 33 Prozent vom Kuchen ab. Und bei Preisen von 13 bis 16 Franken pro Gramm kommt so einiges zusammen. Den Rest teilen sich die Einzelhändler (26 Prozent), die Zwischenhändler (8 Prozent) und die Produzenten (32 Prozent).

CBD-Produkte sind in der Schweiz echte Lifestyleprodukte

In den Schweizer Metropolen ist es mittlerweile durchaus üblich, dass der süße Duft von Cannabis durch einen Park wabert. Und das völlig legal. Denn das, was sich hippe junge Leute, Menschen in Anzügen und sogar experimentierfreudige Großeltern anstelle klassischer Zigaretten anzünden oder in der E-Zigarette verdampfen, sind CBD-Joints bzw. CBD-Liquids.

In zahlreichen Shops- und Cafés ist zudem alles zu bekommen, was das Herz von CBD-Konsumenten begehrt. Liquids, CBD-Öl, Kosmetikprodukte für die Hautpflege, zum anbeißen aussehende Brownies und nicht zuletzt diverse CBD-Grassorten – hier bleiben keine Wünsche offen. Glaubt man aktuellen Umfragen, ist der CBD-Konsum in der Schweiz ein Phänomen, das quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten geht.

Trotz sprudelnder Steuereinnahmen und zunehmender Verankerung von CBD-Produkten in der Gesellschaft ist zumindest staatlicherseits nicht mit einer Initiative zur generellen Legalisierung von Cannabis nach dem Vorbild der Niederlande zu rechnen. Dennoch möchte der Verein „Legalize it!“ weitere Initiativen auf Basis des CBD-Booms anstoßen.

Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland bei CBD

Allein in der großen öffentlichen Akzeptanz liegt bereits ein großer Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland. Während Cannabis-Produkte hierzulande unabhängig von ihrem letztendlichen THC-Gehalt und ihrem rechtlichen Status noch immer in eine zwielichtige Ecke geschoben werden, ist das in der generell viel liberaleren Schweiz ganz anders. Der wohl größte Unterschied schlägt sich aber in harten Zahlen nieder.

Wir haben bereits erwähnt, dass der THC-Grenzwert 2011 in der Schweiz von 0,3 auf 1 Prozent erhöht wurde. Im Angesicht dieser Zahlen müssen Cannabis-Freunde hierzulande eine Träne verdrücken. Immerhin dürfen CBD-Produkte, die hierzulande legal und ohne Rezept erworben werden können, einen THC-Gehalt von höchstens 0,2 Prozent haben. Trotz des fünffach höheren Grenzwerts ist das Leben in der Schweiz nicht aus den Fugen geraten.

Ob die liberale Haltung der Eidgenossen sich auch hierzulande zumindest auf die Handhabung von CBD-Produkten auswirkt, bleibt abzuwarten. Auch wenn es verlockend scheint: Das Einführen von CBD-Produkten aus der Schweiz, die den in Deutschland zulässigen THC-Grenzwert überschreiten, ist verboten und stellt einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) dar.

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