Hanf und seine Geschichte
Bei Hanf denken die meisten Durchschnittsbürger meist an Rauschmittel, Polizeirazzien, Drogentote und bekiffte Studenten. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, dass Hanf einst ein zentraler Rohstoff für die Herstellung etlicher Produkte war. Immerhin war das Nachtschattengewächs über Jahrtausende hinweg der wichtigste Rohstofflieferant für Seile, Textilien, Segel, Arzneimittel und sogar Papier.

Seit dem Beginn der strengen Cannabis-Prohibition zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist nicht nur die Nutzung von Hanf als Rauschmittel illegal. Auch die Geschichte des Hanfs ist in Vergessenheit geraten. Grund genug, die spannende Odyssee der fünfblättrigen Pflanze einmal genauer zu beleuchten.

Hanf – die wohl älteste Kulturpflanze der Menschheit

Glaubt man den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist die Hanfkultur des Menschen deutlich älter als gedacht. Archäologen haben kürzlich herausgefunden, dass Hanf in China und bei den Vorgängerkulturen des alten Persiens bereits vor 12.000 Jahren als Getreide angebaut wurde. Damit ist Hanf eine noch wesentlich ältere Kulturpflanze als etwa Weizen, Roggen, Mais oder Hafer.

Dementsprechend vermutet man genau dort auch die ursprüngliche Heimat von Cannabis Sativa. Von Asien aus breitete sich die Pflanze über mehrere Jahrtausende hinweg nach Mitteleuropa und in den Mittelmeerraum aus. Erste Belege für die Kultivierung von Cannabis auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands datieren auf ca. 5.500 v. Chr. und stammen aus der Region um Eisenberg in Thüringen.

Schriftliche Erwähnung schon vor über 4.000 Jahren

Handfeste schriftliche Quellen existieren allerdings erst seit dem 3. Jahrtausend vor Christus. In den schriftlichen Quellen, die aus der Zeit um 2.800 v. Chr. stammen, wurde Hanf erstmals als Rohstoff zur Herstellung von Fasern erwähnt. Dass die Hanfpflanze auch schon seit Urzeiten als Arzneimittel Verwendung findet, belegt ein Heilpflanzenkompendium des chinesischen Herrschers Shen Nung aus dem Jahr 2.737 v. Chr. Sogar die alten Ägypter nutzten Hanf laut entdeckten Tempelinschriften nicht nur für Seile, Segeltuch und Textilien, sondern auch als Heilpflanze.

Interessanterweise hat auch der heutige Name Cannabis seinen Ursprung im östlichen Mittelmeerraum. Den Assyrern – Zeitgenossen der alten Pharaonen – war der Hanf unter dem Namen „Qunnu-Bum“ bekannt, was so viel wie würzige Rohrpflanze bedeutet und darauf hindeutet, dass man wohl auch um die ganz besonderen Vorzüge des Cannabis wusste. Aus dem Begriff „Qunnu-Bum“ entstand über den Einfluss der Römer und der lateinischen Sprache schließlich das Wort „Cannabum“, von dem sich unser „Cannabis“ ableitet.

Die wichtigsten Stationen der grünen Erfolgsgeschichte

Seit der Zeit des alten Ägyptens hat Cannabis quer über den Globus hinweg einen echten Siegeszug hingelegt. Da selbst eine grobe Zusammenfassung dieses Siegeszuges den Umfang einer Doktorarbeit einnehmen würde, wollen wir uns an dieser Stelle auf die wichtigsten und interessantesten Stationen beschränken. Immerhin hatte so manche berühmte Persönlichkeit der Weltgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes einen „grünen Daumen“.

Der Wiederaufstieg des Hanf

Im Jahr 1996 fiel in Deutschland das bis dato gültige Anbauverbot für Hanf. Damit war der Weg für diverse Hanfprodukte wie Textilien, Hanfsamen und Speiseöle frei. Schon im Jahr 1997 betrug die Anbaufläche in Deutschland wieder 2.800 Hektar. Seit den frühen 2000er-Jahren setzt auch die Automobilindustrie, wie schon Henry Ford im frühen 20. Jahrhundert, wieder auf Hanf. So beispielsweise in Form von Formpressteilen und Faserverbundstoffen für Türinnenverkleidungen.

Auch in zahlreichen weiteren Bereichen hat sich der Hanf wieder ausgebreitet. Sei es nun in Form von nachhaltig produzierten Stoffen, CBD-Produkten oder in Gestalt von medizinischem Cannabis und Medikamenten auf Cannabis-Basis. Wohin der Weg in Zukunft auch führt, eines ist klar: Das ist noch lange nicht das Ende der „unendlichen Geschichte“ der Hanfpflanze.

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