Wirtschaftsfaktor Cannabis – Gras wird zum globalen Milliardengeschäft

Auch wenn Cannabis schon seit Jahrtausenden zur menschlichen Kultur gehört, avanciert die facettenreiche Pflanze nun mehr und mehr zum gewichtigen Wirtschaftsfaktor. Nicht zuletzt durch die zunehmende Freigabe von Cannabis in Kanada und die offizielle Freigabe für die medizinische Nutzung in Deutschland (2017) und Großbritannien (Dezember 2018) führen in der Branche zu einer echten Goldgräberstimmung. In Kaliforniern spricht man analog zum Goldrausch von 1849 bereits vom „Green-Rush“. Aber wie groß ist das Potential wirklich? Und wer sind die großen Player im Geschäft?

116 Milliarden Euro Marktpotenzial allein in Europa

Kanada ist die erste G7-Nation, die Cannabis vollumfänglich für Erwachsene legalisiert hat. Das von Polit-Shootingstar Justin Trudeau regierte Land liefert ebenfalls einen Vorgeschmack darauf, was die flächendeckende Legalisierung für die Wirtschaft bedeutet. Allein im Vorfeld der Legalisierung in Kanada schnellten die Aktien der beiden größten kanadischen Cannabis-Produzenten Canopy Growth und Aurora Cannabis binnen rund eines Jahres um über sechshundert Prozent nach oben. Ein klassischer Beleg dafür, dass auch unter Investoren ein großes Interesse am Thema Cannabis besteht und in der Cannabis-Branche eine Menge Geld steckt.

Die Marktforscher von BDS Analytics & Arcview erwarten bis 2022 einen Anstieg des Marktvolumens für legales Marihuana auf etwa 32 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es noch 9,5 Mrd. Langfristig sehen die Chancen für Konsumenten, Unternehmen und auch den über Steuereinnahmen beteiligten Staat noch besser aus. Die Experten trauen allein dem europäischen Kontinent bis 2028 ein potenzielles Marktvolumen von 116 Mrd. Euro zu.

Große Player bringen sich in Stellung

Dass der Cannabis-Markt schon lange nicht mehr nur die Spielwiese kleiner Unternehmen ist, zeigt sich am zunehmenden Engagement namhafter Großunternehmen. Das wiederum nährt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die in den meisten Ländern noch immer vorherrschende Cannabis-Prohibition angezählt ist. Zu den großen Erfolgsfaktoren gehören laut den Analysten der Berenberg Bank neben der reinen Unternehmensgröße auch der Marktzugang sowie ein breites Portfolio an Marken, Produkten und Vertriebskanälen.

Diese Faktoren vereint unter anderem der Konzern Constellation Brands. Das vor allem für die Herstellung des Corona-Biers bekannte US-Unternehmen hat erst kürzlich seine Investition in Canopy Growth um vier Milliarden US-Dollar aufgestockt und seinen Anteil damit auf 38 Prozent ausgebaut. Großes Potential sieht Constellation Brands beispielsweise in der Vermarktung von cannabishaltigen Getränken. Auch der Getränkeriese Coca-Cola streckt offenbar seine Fühler aus und soll Interesse an Aurora Cannabis bekundet haben.

Spirituosenhersteller, Brauereien und Tabakunternehmen wittern Morgenluft

Etwas weiter ist nach Medienberichten bereits der weltgrößte Spirituosen-Produzent Diageo. Dieser verhandelt dem Vernehmen nach mit drei unterschiedlichen Cannabis-Firmen über eine größere Beteiligung. Nicht unwahrscheinlich, dass sich im Sortiment neben Johnnie Walker und Smirnoff Wodka bald auch Cannabis-Produkte befinden. Auch die alteingesessenen Tabakkonzerne sind freilich nicht untätig. Immerhin wäre der Cannabis-Markt im Gegensatz zum schrumpfenden Tabakmarkt eine große Chance. Allein der Marlboro-Konzern Altria investierte zuletzt rund 1,8 Milliarden US-Dollar in den kanadischen Cannabis-Hersteller Cronos.

Ähnliche Mechanismen lassen sich bei Brauerei-Konzernen wie Anheuser-Busch erkennen, die mit dem Einstieg in die Produktion alkoholfreier Cannabis-Getränke den sinkenden Bierkonsum kompensieren möchten. Es scheint so, als hätten die Global Player erkannt, dass Cannabis langfristig nicht mehr aufzuhalten ist und die Erschließung neuer Geschäftsfelder lukrativer ist als eine erfolglose Abwehrschlacht.